Sechs Wochen Sommerferien – und irgendwann kommt sie bestimmt: die Frage «Mir ist langweilig, was soll ich machen?» In diesem Ratgeber finden Sie die besten Ideen, wie Sie Primarschulkinder in den Ferien sinnvoll beschäftigen – draussen bei Sonnenschein, drinnen bei Regenwetter und unterwegs mit kleinem Budget. Sie erfahren, warum ein bisschen Langeweile sogar gut fürs Kind ist, wie der Ferienpass Ihrer Gemeinde die Ferienkasse schont, welche Schlechtwetter-Ausflüge sich in der Schweiz lohnen und wie viel Bildschirmzeit in den Ferien in Ordnung ist.
Warum Langeweile in den Ferien kein Notfall ist
Bevor Sie ein Vollprogramm organisieren: Langeweile ist für Kinder wertvoller, als sie sich anfühlt. Fachleute bezeichnen sie gar als «Super Food» für Gehirn und Seele. Wer nicht pausenlos bespasst wird, lernt, aus eigener Kraft etwas mit freier Zeit anzufangen – und wird dabei kreativer. Pro Juventute empfiehlt Eltern deshalb, das Aktivitätenprogramm bewusst zu reduzieren und auch mal einen «Pyjama-Tag» einzulegen.
Ein bewährter Trick, wenn das grosse Jammern beginnt: Nennen Sie Ihrem Kind fünf konkrete Möglichkeiten, geben Sie ihm zehn Minuten Bedenkzeit – und verlassen Sie dann das Zimmer. Meistens ist bei Ihrer Rückkehr bereits ein Spiel im Gang.
Ferien planen: Struktur ja, Stress nein
Sechs Wochen ganz ohne Plan überfordern viele Familien – ein durchgetakteter Ferienkalender aber auch. Gut funktioniert ein Mittelweg:
- Ein Highlight pro Tag genügt. Ein Besuch in der Badi, ein Besuchsnachmittag beim Gspänli oder ein Glacé-Ausflug – mehr braucht ein Ferientag nicht.
- Kinder mitplanen lassen: Lassen Sie jedes Familienmitglied einen eigenen Ferientag gestalten und vorbereiten. Das schafft Vorfreude und Verantwortung.
- Fixpunkte beibehalten: Gemeinsame Mahlzeiten und ungefähr gleiche Schlafenszeiten geben dem Tag ein Gerüst.
- Freie Zeit einplanen: Ganz bewusst Tage ohne Programm lassen – siehe oben.
Berufstätige Eltern kombinieren am besten mehrere Bausteine: Ferienbetreuung von Schule oder Gemeinde, Ferienlager, Grosseltern-Tage, Abtausch mit befreundeten Familien – und den Ferienpass.
Der Ferienpass: Das Schweizer Erfolgsmodell
In vielen Schweizer Städten und Gemeinden gibt es in den Schulferien einen Ferienpass (regional auch «Ferienplausch» oder «Ferienspass» genannt): ein günstiges Kursprogramm für Kinder von etwa 6 bis 16 Jahren, organisiert von Vereinen, Betrieben und Freiwilligen. Die Kinder schnuppern in Berufe hinein, besuchen die Feuerwehr, klettern, kochen, reiten oder programmieren – oft für wenige Franken pro Angebot. Vielerorts ist im Pass zusätzlich der ÖV in der Region oder der Eintritt in die Badi inbegriffen.
Eine Übersicht über Ferienpässe, Lager und weitere Ferienangebote in der ganzen Schweiz bietet der Elternkompass von Pro Juventute. Achtung: Beliebte Kurse sind schnell ausgebucht – melden Sie Ihr Kind frühzeitig an, die Anmeldefristen laufen oft schon Wochen vor Ferienbeginn.
Ideen für schönes Wetter: Draussen ist gratis
Bei Sonnenschein braucht es selten ein teures Programm. Bewährte Klassiker für Primarschulkinder:
- Badi-Tag: Mit Picknick, Badetuch und Gspänli wird daraus ein ganzer Ferientag.
- Wald und Grillstelle: Schlangenbrot über dem Feuer, Hütten bauen, Bächlein stauen – der Wald ist der günstigste Freizeitpark der Schweiz.
- Velo- oder Trottinett-Tour: Zum Beispiel bergab mit dem Trottinett und mit Bahn oder Bus zurück.
- Schnitzeljagd im Quartier: Selbst gemacht oder digital mit einer Foxtrail- oder Geocaching-Tour.
- Spielplatz-Tour: Jeden Tag einen anderen Spielplatz der Umgebung testen und bewerten – daraus wird ein richtiges Ferienprojekt.
- Übernachtung im Zelt: Einmal im Garten oder auf dem Balkon schlafen ist für viele Kinder das Ferienhighlight schlechthin.
Schlechtwetterprogramm: Kinder drinnen beschäftigen
Regnet es tagelang, ist Kreativität gefragt. Die gute Nachricht: Für die meisten Ideen brauchen Sie nichts zu kaufen.
Basteln, Werken und Gestalten
- Eine Langeweileschachtel vorbereiten: Zettel mit Ideen, Bastelmaterial, kleine Überraschungen – wird nur bei akuter Langeweile geöffnet.
- Kartonschachteln in Ritterburgen, Kaufläden oder Murmelbahnen verwandeln.
- Steine bemalen und beim nächsten Spaziergang als Grüsse auslegen.
- Papierflieger falten und einen Weitflug-Wettbewerb veranstalten.
- Das Kinderzimmer umgestalten: Möbel neu stellen, Regal streichen, ausmisten und flohmarktfähige Schätze aussortieren.
Spielen und Backen
- Höhle aus Duvets und Stühlen bauen – mit Taschenlampe und Znüni darin.
- Gesellschaftsspiele-Turnier über mehrere Tage mit Rangliste.
- Die Küche wird zur Backstube: Cupcakes oder Kuchen backen und die Nachbarn zum Buffet einladen.
- Kino-Abend zu Hause: Beamer oder Fernseher, Popcorn, selbst gebastelte Eintrittskarten.
- Flohmarkt-Vorbereitung: Spielsachen aussortieren, Preise schreiben, am nächsten Quartierflohmarkt verkaufen – ein guter Anlass, um übers Taschengeld zu sprechen.
Bewegung für drinnen
- Bewegungsparcours durch die Wohnung: Sofakissen-Inseln, Slalom, Krabbeltunnel.
- «Der Boden ist Lava», Gummitwist im Flur oder ein Tanz-Battle mit der Lieblingsmusik.
- Kinder-Yoga oder Turn-Videos – so wird die erlaubte Bildschirmzeit gleich zu Bewegung.
Ausflüge bei schlechtem Wetter: Diese Ziele lohnen sich
Wenn die Decke auf den Kopf fällt, hilft ein Schlechtwetter-Ausflug. Bewährte Indoor-Ziele in der Schweiz:
- Museen für Kinder: Verkehrshaus Luzern, Technorama Winterthur, Naturhistorische Museen, Landesmuseum Zürich – viele mit interaktiven Kinderbereichen.
- Hallenbad statt Badi: Erlebnisbäder mit Rutschbahnen sind der Klassiker für Regentage.
- Indoorspielplatz: Toben, klettern, rutschen – ideal, wenn auch jüngere Geschwister mit dabei sind.
- Bibliothek oder Ludothek: Neue Bücher und Spiele ausleihen kostet wenig bis nichts – und füllt gleich die nächsten Regentage.
- Kletterhalle oder Minigolf indoor: Für bewegungshungrige Kinder ab dem Primarschulalter.
- Bahnfahrt ins Blaue: Mit einer Tageskarte einfach mal in einen Zug sitzen und schauen, wo man ankommt.
Tipp: Beliebte Indoor-Ziele sind an Regentagen in den Ferien oft überlaufen. Früh am Morgen hinfahren oder online reservieren erspart Wartezeiten.
Bildschirmzeit in den Ferien: Wie viel ist okay?
Gamen, Filme und Tablets gehören für viele Kinder zu den Ferien dazu – und das ist in Massen auch in Ordnung. Wichtig ist, dass Medienzeit nicht zur Hauptbeschäftigung wird. Pro Juventute gibt folgende Richtwerte:
| Alter | Empfohlene Bildschirmzeit |
|---|---|
| Kindergarten und Unterstufe (ca. 5–9 Jahre) | 30 bis maximal 60 Minuten pro Tag |
| Mittelstufe (ca. 9–10 Jahre) | 60 bis maximal 100 Minuten pro Tag |
| Ab ca. 10 Jahren | Wochenkontingent statt Tageslimite, z. B. 1 Stunde pro Lebensjahr und Woche |
Diese Zeiten sind Richtwerte, keine starren Regeln. Wie Sie die Bildschirmzeit Ihres Kindes sinnvoll regulieren, lesen Sie in unserem separaten Ratgeber. Bewährt haben sich zudem bildschirmfreie Tage – gerade in den Ferien, wenn genug Zeit für anderes bleibt. Und: Gemeinsam einen Film schauen oder zusammen gamen ist wertvoller als stundenlanges Alleinsurfen.
Fazit: Die Mischung macht die Ferien
Gelungene Ferien für Primarschulkinder brauchen kein teures Animationsprogramm, sondern eine gesunde Mischung: ein Highlight pro Tag, Zeit mit Gspänli, Bewegung draussen, ein paar Trümpfe für Regentage im Ärmel – und genügend Leerlauf, in dem aus Langeweile eigene Ideen entstehen. Wer zusätzlich den Ferienpass der Gemeinde nutzt und für Schlechtwetter eine Langeweileschachtel sowie ein, zwei Indoor-Ausflugsziele bereithält, kommt entspannt durch sechs Wochen Sommerferien.
Quellen
- Pro Juventute: Langeweile zulassen – gar nicht so einfach
- Pro Juventute: Was tun, damit die Ferien zu Hause gelingen?
- Pro Juventute: Ferienpässe in der Schweiz (Elternkompass)
- Pro Juventute: Bildschirmzeit – Empfehlungen für Kinder und Jugendliche
- Luzerner Ferienpass: Informationen
- Kinderregion: Schlechtwetterprogramm für Kinder
Titelbild: Anita Jankovic auf Unsplash (Unsplash-Lizenz, Namensnennung nicht erforderlich, aber empfohlen).